Alois Fürnkranz - Geschäftsführung Saubermacher Bau Recycling & Entsorgung

Interview mit Saubermacher-Baurecycling-Geschäftsführer Alois Fürnkranz

Nachhaltige Entsorgung in der Bauwirtschaft

Wie kann man günstig, aber trotzdem möglichst nachhaltig entsorgen?
Nachhaltig entsorgen gelingt, wenn möglichst viele Abfälle in die Wiederverwertung bzw. ins stoffliche Recycling gehen. Hier sind Entsorgungsspezialisten gefragt. Saubermacher war und ist Vorreiter in Österreich, ganz im Sinne unserer Vision Zero Waste. Wir wurden im Vorjahr zum dritten Mal in Folge zum nachhaltigsten Entsorgungsunternehmen weltweit gekürt.

 

Wie werden Bau- und Abbruchabfälle, aber auch ganze Bauteile wie Fenster, Türen, Parkettböden oder Stiegen wiederverwendet?
Abfälle müssen so aufbereitet werden, dass sie möglichst lang – unendlich – im Kreislauf geführt werden können. Bei Saubermacher Bau Recycling und Entsorgung betrug die Verwertungsquote 2020 bereits rund 89%. Durch den Einsatz von Bauschutt im Straßenbau werden zum Beispiel natürliche Sand- und Schottervorkommen entlastet. Viele Abfälle können auch schon auf der Baustelle aufbereitet werden und wieder vor Ort zum Einsatz kommen. Dies führt auch zu einer enormen Verminderung des CO2-Ausstoßes.

 

Grundsätzlich kann jedes Gebäude und Bauwerk als Rohstoff- oder Abfalllager verstanden werden. Wie kann das Schichtobjekt Gebäude möglichst kosteneffizient zerlegt werden?
Dazu müssen zuerst die Wertstoffe vor Ort erkundet und erhoben werden. Dann werden sie vor dem maschinellen Abbruch herausgearbeitet, möglichst ohne z.B. die Mosaiksteine im Stiegenhaus oder den wunderschönen Parkettböden zu zerstören. Derzeit wird häufig noch immer sehr wertstoffvernichtend abgebrochen.
Auch sind viele Schadstoffe wie künstliche Mineralfasern, Wärmedämmplatten mit FCKW, asbesthaltige Fliesenkleber oder Betondistanzhalter aus Asbest in Baustellenabfällen enthalten, obwohl das gesetzlich verboten ist. Diese gefährlichen Abfälle erschweren ein Recycling von Beton und Ziegeln.
Viele Produkte, also Schad- und auch Wertstoffe, landen oft auf Deponien, weil es kostengünstig ist. Die Wertstoffe gehen aber dabei verloren, dies muss zukünftig noch stärker verhindert werden. Schadstoffe sollten von Wertstoffen getrennt in speziellen Schadstoffsenken gelagert werden. Es werden Zeiten kommen, wo die Schadstoffe von heute die Ressourcen der Zukunft sein werden.

 

Wie groß ist die Bereitschaft der österreichischen Bauwirtschaft, die Entstehung von Abfall möglichst zu vermeiden, nicht vermeidbare Abfälle im Wirtschaftskreislauf zu halten und Deponierung auf das notwendige Maß zu beschränken?
Das Bewusstsein für nachhaltiges Bauen steigt, nicht zuletzt auch bei den Endkunden. Der Trend zu mehr Nachhaltigkeit und Ökologie nimmt laufend zu. Die Herausforderung ist, dass die Baustoffe von heute erst in frühestens 40 bis 50 Jahren zu Abfall werden.
Heute kommen immer mehr Baustoffe als Materialmischungen zum Einsatz, z. B. Kunststoffe mit Holz oder mit Metallen. Die geänderten Materialzusammensetzungen erfordern angepasste bzw. neue Recyclingverfahren zur Rückgewinnung von Rohstoffen. Leider gibt es derzeit keine Prüfung der Recyklierbarkeit eines Produktes vor seiner Zulassung. Das ist natürlich auch eine Frage des wissenschaftlichen Fortschrittes. Asbest war in den 70iger Jahren ein häufig verwendetet Baustoff (Spritzasbest, Eternitdächer, es gibt sogar Estrich mit Asbest vermischt). Damals hat man die gesundheitlichen Auswirkungen noch nicht gekannt. Unser Ziel ist, die Verwertungsquoten laufend zu erhöhen. Daran arbeitet unser F&E-Team gemeinsam mit Forschungseinrichtungen und Kunden.

 

Erwarten Sie positive Entwicklungen durch die Novelle vom Abfallwirtschaftsgesetz / Kreislaufwirtschaftspaket?
Ja, auf jeden Fall – die Ansätze gehen zum überwiegenden Teil in die richtige Richtung. Die Novelle unterstützt die Abfallvermeidung sowie das Recycling, z. B. durch die erweiterte Herstellerverantwortung und Neuerungen in Bezug auf das Abfallende. Letzteres könnte sich positiv für Bodenaushub als Produkt auswirken.

Grundsätzlich bezweckt die Novelle:

  • die Abfallvermeidung,
  • eine höhere Vorbereitung zur Wiederverwendung und des Abfallrecyclings,
  • die Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung für bestimmte Produkte,
  • weniger Auswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte auf die Umwelt sowie
  • die Verbesserung der getrennten Sammlung und des Recyclings von Verpackungen.